Fr. 9.10.2026
reclaim:your:club // club:against:reality: „Candy Girls - Sexismus in der Musikindustrie“ mit Sonja Eismann, Aurea Arbor, Masha Dabelka & Un Dos Tresa

Die Musikindustrie – das große Versprechen von Freiheit, Authentizität und Empowerment. Doch was steckt hinter den Kulissen? In ihrem neuen Buch „Candy Girls. Sexismus in der Musikindustrie" (Edition Nautilus) legt Sonja Eismann offen, wie tief Sexismus, Misogynie und Machtmissbrauch im Pop:Business verwurzelt sind – gestern wie heute.
So wütend wie luzide zieht die Kulturwissenschaftlerin, Publizistin und Mitbegründerin des Missy Magazine Bilanz: über den male gaze im Pop, über adoleszente Starlets und alternde Ausnahmekünstler:innen – und über die Frauen, die sich dagegen wehren. Im Anschluss wird es laut: Mit einem Live-Konzert bringt Aurea Arbor (Innsbruck) ihre eigene Note auf die Bühne, bevor Masha Dabelka aka Turntablista (Wien) die crowd zum tanzen bringen wird. Ein Abend zwischen Abrechnung und Ausgelassenheit – Popkultur kritisieren und gleichzeitig feiern. Programm 20:30 Uhr – Lesung & Gespräch mit Sonja Eismann (Journalistin und Kulturwissenschaftlerin // Berlin) 22:00 Live: Aurea Arbor (Audiovisual Artist // Innsbruck) danach – DJ Set: Masha aka Turntabalista (Producer, DJ, Teacher // Vienna) & Un Dos Tresa Aus dem Buch: »Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« – Christiane Rösinger Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt. In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat. Eine Veranstaltung des Kulturkollektivs ContrApunkt.
Sonja Eismann
Sonja Eismann (*1973) ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie studierte Komparatistik in Wien, Mannheim, Dijon und Santa Cruz (USA) und war Mitgründerin des Magazins nylon und des Missy Magazine, wo sie bis heute Teil der Redaktion ist. Sie war/ist u.a. für Spex, taz, Freitag und Deutschlandfunk Kultur als Autorin und Journalistin tätig und forscht zu Genderdarstellungen im Pop. Von 2016 bis 2022 war sie Mitglied im Musikrat des Goethe-Instituts, 2024 hatte sie die Popdozentur der Universität Paderborn inne. Sie lebt in Berlin.
Masha Dabelka
Masha Dabelka (Producer, DJ, Teacher // Vienna)
Music with character
Siberian with an Austrian touch
Acid, Drone, House, Techno
When I get bored, I play 3 turntables for fun
Turntablista - DJ school for women owner
Aurea Arbor
Sail through storms, linger on calm waters until I can see to the ground and seek for the light that will guide me home.
With her solo project Aurea Arbor, Maria Reiter invites the audience aboard her golden ship to embark on an audiovisual journey through the depths and expanses of the soul—to plunge into dark abysses and make space for our deepest longings.
This gives rise to delicate soundscapes that slowly unfold, layer by layer, filling the space.
Each sound is looped live and constantly transformed anew using the Ocean Machine.
Maria enjoys experimenting with her voice and a wide variety of instruments. There is rustling, tapping, plucking, breathing, and whispering. Forward, backward, half speed, STOP.
Un Dos Tresa



